Archive: Review – 19/Oct/2002 – Cobbler’s Irish Pub

Andy Irvine – Cobbler’s Irish Pub, Germering, Germany

Das Konzert von Andy Irvine am 19.Oktober im Cobbler’s Irish Pub in Germering

“…see a livin’ legend…”, so hätte das Motto lauten können für diesen Abend mit Andy Irvine im Cobbler’s Irish Pub. A. Irvine ist regelmäßiger und gern gesehener Gast in diversen einschlägigen Münchner Pubs und nun hatte es ihn auch einmal nach Germering verschlagen.

Etwas älter mittlerweile als auf den vielen historischen Photos, die man so von ihm findet und leicht lädiert von einem Autounfall, bei dem er sich gut eine Woche vor dem Konzert die rechte Hand verstaucht hatte, “held together by bits of strings”.

Aber das hielt ihn in keiner Weise davon ab, dem von weit her angereisten Publikum einen grandiosen Abend zu bieten.
Ohne sich von dem Verband stören zu lassen, den ihm kurz vor Konzertbeginn ein Arzt verpaßt hatte, gelang es ihm mit spielender Leichtigkeit auf seinen Instrumenten (12-string-guitar, bouzoukis und Mundharmonika) ganz alleine einen Klangteppich zu erzeugen, wie es nur einem langjährigen Tour-Profi wie möglich ist. ‘…held together by bits of string…’ – trotz Unfallverletzung ein unvergeßlicher Abend mit Andy Irvine Und trotz all der Jahre, in die der mittlerweile 60-jährige Vollblutmusiker inzwischen gekommen ist, wird er es auch in keiner Weise müde, sein Repertoire nach wie vor mit gesellschaftkritischen und politischen Songs zu spicken.

Natürlich gibt es auch bei ihm etliche der obligatorischen “traditionals”, die von Frauen, enttäuschter Liebe und den entsprechenden Alkoholika handeln, aber immer wieder bringt er starke und anspruchsvolle Titel und Texte und Politsongs, mit denen er nicht zuletzt seinem großen Vorbild Woody Guthrie gedenkt:
“I liked his accent – Oklahoma accent, so I practiced it till I talked it like him…”
Und so gab er mit einem seiner eigenen evergreens “Never tired of the road” seine persönliche Hymne für seine Helden zum besten, für seinen “starting point of singing folk music…” Andy Irvine, immer eine unterhaltsame Geschichte auf den Lippen und einen Lacher für’s Publikum

Der erste Set des Abends bestand aus einer abwechslungsreichen Mischung von Liedern, bei denen es um Frauen, Mädchen, die große Liebe und natürlich “too much beer” ging (darunter auch “Karin”, das Mädchen aus Stuttgart – für mich eines der schönsten Stücke des Abends, das stark an die Zeiten von Planxty erinnerte) und einige historische-politische Songs wie den “mining song” und das eindrucksvolle “never tired of the road”

Es waren vor allem Titel aus dem Repertoire der ehemaligen Formationen “Sweeny’s Men” (bis 1968) und “Planxty” (1970 – 1975), die Andy Irvine an diesem Abend solo zum Besten gab, so als geisterten die Mitmusiker aus alten Zeiten immer noch um ihn herum.
Dank der eindrucksvoll eingesetzten 12-saitigen Gitarren und der Bouzoukis (darunter auch die große “bassouki”) gelingt es A.Irvine einen unglaublich dichten und vollen Sound zu erzeugen, daß man kaum glaubt, daß er ganz alleine auf der Bühne sitzt.

Wir immer gab es zwischen den beiden Sets eine Pause, die ganz dem Kontakt mit dem Künstler und dem Verkauf seiner mitgebrachten CDs diente.

Danach ging es mit demselben Schwung und ungeachtet des Armverbandes mit einem Programm weiter, das nichts zu wünschen ließ – einem Programm das sich wie eine Zeitreise in die Andy Irvine’s Vergangenheit gestaltete und gut gewürzt war mich Anekdoten, Jokes und Erinnerungen: “…back to ’66, believe it or not – at that times I was young – at the times of Sweeny’s Men…” und “The only thing that wasn’t romantic at those times were the girls – they were all locked up!” My heart’s still up to Ireland in sweet county Clare

So gaben sich romantische und wehmütige Erinnerungen ein Stelldichein mit politischen Statements… mit “facing the chair” lebte die vielbesungenen amerikanische Tragödie von Saccho and Vanzetti wieder auf.
Die Lieder von Planxty (“Blacksmith”) und Sweeny’s Men (“Gladiators of the working class” –
“…the first song I ever wrote for Sweeny’s Men…”) begeisterten das Publikum im Saal des Schusterhäusls, bis Andy Irvine dann gegen 23.30 Uhr nach zwei Zugaben erschöpft das Handtuch warf.

Und daß sich Andy Irvine im Cobbler’s Irish Pub sehr wohl gefühlt hat, das belegt auch dieses Photo, das wir nachträglich noch geschickt bekommen haben: Andy und Martin “downstage” vor dem Konzert.

Photos und Bericht: W.Rodrian © 2002

source: www.breizh.de

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